Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung


Mythen und Studien

Da es immer wieder zu Missverständnissen kommt in Bezug auf Himbeerblättertee haben wir uns entschlossen, Ihnen hier die momentane Forschungssituation darzustellen.
 

Traditionelle Verwendung

Himbeerblätter werden traditionell zur Geburtsvorbereitung eingesetzt

In den mündlichen Hebammenüberlieferungen geht es bei den Himbeerblättern
einzig und allein um deren auflockernde Wirkung. Genau diese wird nun schon seit Jahrzehnten beobachtet und ist Voraussetzung für eine gute Geburt, denn wenn das bei der Geburt frei werdende Wehenhormon Oxytocin auf eine entspannte glatte Muskulatur trifft, können Wehen effektiv und wirksam sein.
 

Zur Geburtsvorbereitung wird empfohlen Himbeerblättertee nach der vollendeten 34. Schwangerschaftswoche verstärkt zu trinken,

»entweder maximal 2–3 Tassen täglich zusätzlich zu der ›Schwangerschaftstee‹-Mischung oder 1/2 Teelöffel von Letzterem und 1/2 Teelöffel Himbeerblätter mischen« (aus: Die Hebammen-Sprechstunde, S. 281).
Im Schwangerschaftstee nach Ingeborg Stadelmann ist Himbeerblätter in der Menge 1/7 enthalten.
Gut zu wissen: Himbeerblätter sind traditionell auch in vielen „Haustees“ meist in der Kombination mit Brombeerblättern und anderen wohlschmeckenden Kräutern enthalten.

Aktuelle Diskussion

Eine kritische Nachricht zu möglichen Geburtskomplikation durch Himbeerblätter (in einem Blog für Schwangere sowie im Hebammenmagazin einer anerkannten Naturkosmetik- und Arzneimittelfirma) hat für viel Unruhe gesorgt.

Hintergrund sind die Ergebnisse einer norwegischen Studie (Nordeng et al. (2011)), die eine zweieinhalbfach erhöhte Kaiserschnittrate bei Konsumentinnen von Himbeerblättertee ermittelt hat. Es gibt jedoch keine weiteren Untersuchungen, die diese Ergebnisse bestätigen.

Welche Forschungs­ergebnisse zum Thema gibt es bereits?

Parsons et al (1999): Raspberry leaf and its effect on labour: Safety and efficacy

Diese Studie, eine Befragung von 108 Frauen nach der Geburt, weist auf einen leicht verkürzenden Effekt von Himbeerblättertee auf die Dauer der Entbindung hin.

Simpson et al. (2001) Raspberry leaf in pregnancy: its safety and efficacy in labor

Diese Studie, eine wirklich randomisierte und verblindete Studie mit 192 Erstgebärenden, verglich den Einfluss auf die Geburt durch Einnahme von Himbeertee-Tabletten und Placebos. Es konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden, auch keine negativen Auswirkungen.

Nordeng et al. (2011): Use of herbal drugs during pregnancy among 600 Norwegian women in relation to concurrent use of conventional drugs and pregnancy outcome

In dieser Studie wurde festgestellt, dass mehr als doppelt so viele Frauen, die Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung tranken, mit einem Kaiserschnitt entbunden worden. An der Studie nahmen auch Frauen teil, die bereits entbunden hatten. Weitere Untersuchungen wurden angeraten, auch da nicht festgestellt werden konnte woher das erhöhte Kaiserschnittrisiko kam.

Als Fazit weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass die Verwendung von pflanzlichen Arzneimitteln während der Schwangerschaft üblich ist. Es wäre daher dringend nötig, deren Sicherheit zukünftig in der Schwangerschaft zu dokumentieren. Bislang beschränken sich die Daten zur Verwendungssicherheit während der Schwangerschaft (nicht nur von Himbeerblättern, sondern von fast allen Kräutern) vor allem auf Fallberichte, Tierstudien oder theoretische Überlegungen.

Smeriglio et al (2014): Herbal products in pregnancy: experimental studies and clinical reports

Eine englische Studie aus dem Jahr 2014 konnte weder Nebenwirkungen noch Wechselwirkungen während der Schwangerschaft feststellen und berichtet, dass Himbeerblätter zwar eingesetzt werden, um die Wehentätigkeit zu koordinieren, aber auf die Wehenintensität selbst keinen Einfluss ausüben.

Nachgewiesene Wirkungen von Himbeer­blättern

Europäische Arzneimittelbehörde EMA

Zur Linderung leichter Krämpfe im Zusammenhang mit der Menstruation, zur Behandlung leichter Entzündungen im Mund oder Rachenentzündungen und Durchfall beruhen auf ihrer "traditionellen Verwendung", keine Risiken bekannt.

Kommission E

keine bekannten Risiken

Die Hebammen-Sprechstunde

Die Hebammen-Sprechstunde
Die Hebammen-Sprechstunde

Die Anwendung von Himbeerblättertee (vgl. S. 122, 282) und anderen Kräutern zur Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden sind ein Bestandteil der "Hebammen-Sprechstunde" von Ingeborg Stadelmann.

Ingeborg Stadelmann empfiehlt Himbeerblättertee aufgrund der auflockernden Wirkung auf die Muskulatur, insbesondere im kleinen Becken und dem Anregen des Stoffwechsels sowie des Darm-Ausscheidungsprozess weiterhin den Konsum von Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung. Eine aufgelockerte, weiche Muskulatur ist die beste Voraussetzung für eine gute Wirkung des weiblichen Geburtshormons Oxytocin.


Lesen Sie weiter:

Ingeborg Stadelmann
Die Hebammen-Sprechstunde


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