Corona und Kinder


Was wissen wir darüber? Informationen von Dr. med Peter Büttner

Zur Information für Eltern hielt der Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Peter Büttner am 05.03.2021 ein Webinar über Corona und Kinder.

Einige Informationen daraus finden Sie auf dieser Seite.
Das Skript zum Webinar können Sie sich hier herunterladen:
 
Skript des Webinars vom 5. März 2021 (3.4 MB)

Bitte beachten Sie: Die Wissenschaft zum Thema ist im Fluss und Erkenntnisse von heute können morgen überholt sein. Die Fakten wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, wir können jedoch keine Haftung für den Inhalt übernehmen.

Informationen zum Buch von Dr. med Büttner über Kindergesundheit finden Sie hier: Sprechstunde Kinderarzt

Corona-Viren

Corona-Virus

Es existieren viele Tausend Corona-Virustypen, lediglich
7 Typen sind für Menschen von Bedeutung.

Davon sind 3 gefährlich:
  • SARS-CoV(-1) 2002/2003 10% Sterblichkeit
  • MERS-CoV 2012 35% Sterblichkeit
  • SARS-CoV-2 seit 2019 2,9% Sterblichkeit
und 4 relativ harmlos. Sie verursachen 30 % der Infekte der oberen Luftwege (hCoV-HKU1, hCoV-OC43 , hCoV-NL63, hCoV-229E).

Von SARS-CoV-2 gibt es bislang einige Mutationen. Man unterscheidet in
  • G (verantwortlich für die erste und zweite Welle bei uns)
  • B.1.1.7 Großbritannien (länger ansteckend: ca. 13 Tage, stärker ansteckend: 10fache Virusmenge, verdrängt bald die G-Variante; aktuell 75%)
  • B.1.351 Südafrika (Impfung schützt vor schwerem Verlauf
  • B.1.1.28 P.1 Brasilien (macht definitiv zweite Infektionen)

Ansteckung

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von Ansteckung bis zur Erkrankung beträgt  meist 3 – 7 Tage, kann jedoch 1 – 14 Tage betragen.

Infizierte sind insgesamt 10 Tage ansteckend (1-2 Tage vor Symptombeginn bis 4-8 Tage nach Symptombeginn). Bei der britischen Mutation können das jedoch sogar 13 Tage sein! Dabei zeigen 40% der infizierten Kinder und 20% der infizierten Erwachsenen keine Symptome. Symptomlose Träger stecken andere an, ohne es zu wissen und scheiden die gleichen Virusmenge aus. Sie sind jedoch kürzer ansteckend. Man vermutet, dass die Zahl der tatsächlich Infizierten fünfmal so hoch wie die offizielle ist.

Die Übertragung der Corona-Viren erfolgt v.a. über Mund, Nase und Augen. Und zwar über
  • Tröpfchen 45%
  • Aerosole 45% (bis zu 3 Stunden infektiös)
  • sowie selten über Oberflächen (nicht über Lebensmittel)
Dabei erfolgt die Ansteckung vor allem im Haus, im Faktor 1:19 (Draußen:Drinnen). Die AHA-L-Regeln wirken bei allen Virusmutationen: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alltag mit Maske und Lüften.

Derzeit ist in Deutschland noch keine Impfung für Kinder- und Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen.

Masken

Mund- und Nasenschutz

Masken bieten Schutz vor Ansteckung

Masken schützen vor Ansteckung über Tröpfchen und Aerosole.
  • Stoffmasken-einfache bis zu 40%
  • Chirurgische Masken bis zu 60%
  • FFP2 Masken bis zu 90%
Sie sind keine Gefahr für Kinder. Das bestätigte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in einer Pressemitteilung am 16.11.2020: »Weder für die körperliche Gesundheit „Alltags-Masken … schränken das Ein- und Ausatmen nicht ein, führen weder zu einer Einschränkung der Sauerstoffversorgung, noch zu einer gefährlichen Anreicherung von Kohlendioxid. Sie gefährden auch sonst in keiner Weise die Gesundheit.«
Das gleiche gilt für die psychische Gesundheit. „Keine dieser Studien enthält Hinweise darauf, dass das Tragen von Masken an sich, die Kinder in ihrer seelischen Gesundheit beeinträchtigt.“
 

Die meisten Kinder- und Jugendlichen wollen Masken tragen. Kinder orientieren sich am Vorbild der Erwachsenen. Jugendliche wollen ihren Teil beitragen und die Krankheit nicht verbreiten. Alle haben selbst Angst vor der Krankheit und möchten niemanden aus der Familie anstecken. Sie haben Angst davor, verantwortlich zu sein, wenn jemand in ihrer Umgebung erkrankt.

Eine Gewöhnung an die Maske dauert etwa 3 Wochen.

Wenige haben Probleme mit der Maske. Sie leiden unter Hyperventilation (macht Schwindel, Angst, Konzentrationsstörung) und dem Gummidruck hinter den Ohren. Auch Erinnerungen an früher erlittene Atemnot (wegen Krupp-Husten, Asthma, Badeunfall, usw.) sowie „fake news“ triggern Ängste und Phantasien. Eine Ablehnung der Eltern gegen Masken bringt die Kinder zudem möglicherweise in einen Loyalitätskonflikt.

Verlauf der Erkrankung bei Kindern

Bei Kindern verläuft die Krankheit meist immer milde.

  • 95% milde Verläufe
  • 2,5% schwere Verläufe, Kinder unter 10 Jahren sind selten betroffen
Dabei haben sie nicht unbedingt die gleichen Symptome wie Erwachsene. Kinder haben eher Husten, Bauchschmerzen, Durchfall und Fiebe. Selten begleiten Schnupfen sowie der Geruchs- und Geschmacksverlust die Krankheit. In Einzelfällen sind Kinder kurzatmig. Weitere Symptome können Erschöpfung, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Gedächtnisstörungen und Hautausschläge sein.
Bisher wurden in Deutschland 1114 Kinder in der Klinik behandelt (DGPI.de 14.03.21). Diese Kinder sind deutlich krank, haben lange Fieber, Hautausschläge, Herzprobleme oder Bauchschmerzen. PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) ist eine Überreaktion des Immunsystems, hier gab es fast 200 Fälle in Deutschland (1 von 5000).
5-10% der Kinder haben nach einem Monat immer noch Beschwerden, hier spricht man von Long-Covid. 0,3 % der erkrankten Kinder sind verstorben.

Wie sieht es mit Vorerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen aus?

Es gibt keine erhöhte Gefahr bei ausreichend behandeltem Asthma, Rheuma oder Krampfanfällen.
Probleme haben beispielsweise Kinder mit
  • Down-Syndrom
  • Schweren Herzerkrankungen
  • Schweren Nierenerkrankungen
  • Starkem Übergewicht
  • und wenn Medikamente genommen werden müssen, die das Immunsystem unterdrücken.

Psychische Gesundheit

Auch Kinder und Jugendliche haben zunehmend psychische Probleme

Symptome wie Gereiztheit, Niedergeschlagenheit und Kopfschmerzen treten vermehrt auf. Viele Jugendliche fühlen sich einsam, vermissen Freunde, Hobbys und die Schule. Sie haben Angst den sozialen Kontakt zu verlieren. Zudem fühlen sich viele aufgrund mangelnder Bewegung unausgegelichen und haben Übergewicht. Cybermobbing nimmt zu, Kinder und Jugendliche fühlen sich durch Homeschooling belastet. In vielen Familien ist es nicht einfach, wenn alle dauernd zuhause sind.

Eltern sollten den Druck auf die Kinder nicht erhöhen.

Denn Eltern sind nicht der verlängerte Arm der Schule. Bedenken Sie das Homeschooling eine Notlösung, jedoch besser als Nichts ist. Das Lernen zuhause muss nicht perfekt sein und die Kinder werden vieles gut nachholen können. Wenn die Beziehung in Gefahr kommt, dann reduzieren Sie lieber die Schule daheim. Denn ein Kind im Stress lernt nichts. außer, dass die Eltern und die Schule doof sind. Und das ist nicht das Ziel.

Es gibt auch einige positive Nebeneffekte

Denn vielen geht es zuhause gut und sie können sich besser konzentrieren und lernen als ind er Schule. Aktuell treten deutlich weniger Infekte auf und es gibt  kaum Medikamentenverordnungen.
Zudem gibt es am Ende dieses Winters auch deutlich weniger schulfrustrierte, ausgelaugte Kinder, psychogene Bauch- und Kopfschmerzen sowie Versagensängste. Patienten mit ADHS brauchen zuhause weniger Medikamente.
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