Schwanger – und jetzt?


Bei Verdacht auf eine Schwangerschaft machen heute die meisten Frauen zunächst einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke. Und wenn dann tatsächlich zwei Linien auftauchen ist das Ergebnis kaum zu fassen. Von einer Minute zur anderen wird aus einer Vermutung oder Hoffnung eine unumstößliche Wahrheit.

Diese ersten Monate sind nicht nur von Freude, Erstaunen oder Überraschung, sondern oftmals auch von Unsicherheit und Sorge geprägt. Die Frau ist hin und her gerissen, ob und wem sie etwas von ihrer Schwangerschaft erzählen soll. Ihr kleines Geheimnis müssen Sie (noch) nicht preisgeben. Es ist Ihre Entscheidung, wann Sie wen einweihen.
 

Hormonelle Umstellung

Die Zeugung eines Kindes löst eine bislang nicht gekannte Konzentration an Hormonen in Ihrem Körper aus.

Der Name dieser chemischen Botenstoffe geht auf das altgriechische Wort »horman« zurück und bedeutet: antreiben, anregen. Das heißt, alle Systeme werden auf diesem Weg aktiviert und werden sozusagen zu den natürlichen Hütern der Schwangerschaft.
So ist beispielsweise die Ausschüttung von weiblichen Hormonen verantwortlich für das Stimmungskarussell von der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit und natürlich auch grundsätzlich für den weiblichen Hormonzyklus.

Das Hormonkarussell beginnt

Die ersten, ganz natürlichen Beschwerden nach dem Ausbleiben der Regelblutung,

die überhaupt an eine Schwangerschaft denken lassen, sind Stimmungsschwankungen, bald gefolgt von Übelkeit oder gar Erbrechen, abnormen Gelüsten und Brustspannen sowie vieles mehr. Ursache fast aller dieser ganz natürlichen körperlichen wie seelischen Beschwerden ist die hormonelle Umstellung, ausgelöst durch das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadodropin).

Schwanger­schafts­vorsorge

Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen

Entsprechend den deutschen Mutterschaftsrichtlinien hat jede schwangere Frau Anspruch auf mindestens 10 Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen, die von der Krankenkasse bezahlt werden und deren Anzahl bei Bedarf auch erhöht werden kann, wenn z. B. eine Risikoschwangerschaft diagnostiziert wird.
Erkundigen Sie sich bitte bei Ihrer Krankenkasse oder im Internet nach dem derzeit aktuellen Stand, dies gilt insbesondere auch für Leserinnen in anderen Ländern.
In Deutschland werden im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen drei Ultraschalluntersuchungen (11.-13. Schwangerschaftswoche (SSW), 19.-22. SSW und 29.-32. SSW) bezahlt.

Hebamme und/oder Frauenärztin?

Die angebotenen kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen kann die Frau ebenso bei einer Hebamme durchführen lassen. Die Hebamme ist bei einer regelrecht verlaufenden Schwangerschaft genauso berechtigt und befähigt, die Vorsorgekontrollen durchzuführen wie eine Ärztin. Möchten Sie die drei kostenlosen Ultraschalluntersuchungen in Anspruch nehmen, müssen Sie allerdings eine Gynäkologin oder eine Klinik aufsuchen. Viele Frauen entscheiden sich die Vorsorgetermine im Wechsel bei der Hebamme und bei der Frauenärztin wahrzunehmen, manche Frauenärztinnen bieten auch Hebammentermine in der Praxis an.

Mutterpass

Mit der ersten Vorsorgeuntersuchung, egal ob bei der Hebamme oder Ihrer Ärztin, erhalten Sie mit Ausstellen des Mutterpasses auch eine Bescheinigung für Ihren Arbeitgeber über die bestehende Schwangerschaft und den zu erwartenden Geburtstermin.

Der Mutterpass zeigt den Umfang der medizinischen Betreuung auf, die für Schwangere in Deutschland üblich ist. Im Mutterschutzgesetz ist geregelt, welche Rechte Sie nun wahrnehmen können bzw. welche Bedingungen am Arbeitsplatz,
z. B. Ruhepausen, vorhanden sein müssen.

Den Mutterpass sollten Sie nun immer bei sich tragen.

So können Ärztin und Hebamme jederzeit sehen, welche Kontrollbefunde vorliegen. Bei einer Klinikgeburt kann das dort anwesende geburtshilfliche Team darin nachlesen, wie die Schwangerschaft verlaufen ist. Normalerweise ist es die einzige Unterlage, die der Klinik zur Verfügung steht.
Viele Eintragungen sind Fachbegriffe aus der Medizin. Lassen Sie sich immer alles erklären, oder schreiben Sie im Zweifel zu Hause eine Notiz, damit Sie beim nächsten Vorsorgetermin nicht vergessen, was Sie fragen wollten.

So wird der Geburtstermin errechnet

Ernährung

Vitalstoffreiche Frischkost

Ernährung ist ein wichtiges Thema, denn der weibliche Körper stellt in der Schwangerschaft nicht nur seinen Hormonhaushalt um, sondern hat nun auch einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen. Dieser kann meist mit einer bewussten, gesunden und insbesondere vitalstoffreichen Ernährung bestens ausgeglichen werden. Am besten sind Obst, Gemüse und Früchte frisch aus dem eigenen Garten oder aus biologischem und regionalem Landbau sowie Fleisch und Wurst, wann und wo immer möglich, vom Biometzger in der Nähe.

Ihrem Kind ermöglichen Sie mit einer bewussten Ernährungsweise einen optimalen Start ins Leben – und vielleicht in eines mit weniger Allergien.

Wenn Sie sich ausgewogen und mit Frischkost ernähren, brauchen Sie sich keine Sorgen um den zusätzlichen Energiebedarf machen. Sie benötigen während der Schwangerschaft nur ca. 300kcal täglich mehr. Lediglich der Vitalstoffbedarf ist erhöht, also nicht die Menge, sondern die Qualität der Lebensmittel.
Die allerorten propagierten Nahrungsergänzungsmittel können keineswegs die gesunde Ernährung ersetzen. In manchen Fällen jedoch ist eine sinnvolle Ergänzung bzw. Unterstützung gut. Es hat allerdings keinen Nutzen, wahllos zu irgendwelchen oder gar teuren Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen, lassen Sie sich stattdessen ausführlich von Fachleuten beraten, was Sie wirklich brauchen. Insbesondere Frauen mit vorausgegangener oder bekannter geschädigter Darmflora oder Veganerinnen tun gut daran.

Gefährliche »Genüsse« und kritische Lebensmittel

Alkohol ist tabu

Alkohol gelangt ungebremst über die Plazenta zum Kind. Schon kleinste Mengen stören die geistige wie körperliche Entwicklung des Kindes, denn dem unreifen, kindlichen Organismus fehlen die Enzyme zum Abbau von Alkohol. Daher gilt hier ein absolutes Nein zu allem, was Alkohol enthält.

Das Rauchen lassen und Rauchern aus dem Weg gehen

Jeder Nikotin-»Genuss«, ob aktiv oder passiv, kommt einer ständigen Misshandlung
der wehrlosen Kinder gleich, egal ob in der Schwangerschaft oder danach. Die krebserregende Wirkung von Nikotin ist längst erwiesen, ebenso wie dessen Wirkung auf das Kind über die Plazenta und die Gefahr einer Frühgeburt.

Rohe Lebensmittel können Listeriose und Toxoplasmose verursachen

Ungekochte Nahrungsmittel wie Rohfleischerzeugnisse, Rohwurst und roher Fisch, außerdem Rohmilchprodukte sowie abgepackte und vorgeschnittene Blattsalate, Sprossen und Obststücke etc. sollten Sie strikt meiden, um bakteriellen Infektionen mit Salmonellen und Listerien vorzubeugen. Auch wenn solche Erkrankungen nur selten vorkommen, ist ein Verzicht sinnvoll denn die Erreger können zu Schädigungen in der Entwicklung des Kindes bis hin zu Fehlgeburten führen.

Vegetarisch oder Vegan?

Kinder von Vegetarierinnen sind in der Regel versorgt. Sollten Sie dennoch jetzt plötzlich Lust auf Fleisch bekommen, so geben Sie ihren Bedürfnissen nach.
Veganerinnen hingegen ist dringend angeraten, sich ausführlichst von
Ernährungsexpertinnen beraten zu lassen, denn ohne tierisches Eiweiß und Vitamin B 12 fehlen dem Kind meist wichtige Bausteine zum Wachstum bzw. können z. B. alle essenziellen Aminosäuren nur mittels biologisch hochwertiger Frischlebensmittel zugeführt werden. Vitamin B 12 wird normalerweise über Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte aufgenommen. Bei einem Mangel drohen dem Ungeborenen schwere Entwicklungsstörungen.
Ernährung in Schwangerschaft & Stillzeit

Weiterlesen in:
Die Hebammen-Sprechstunde

Die Hebammen-Sprechstunde
Die Hebammen-Sprechstunde

Die Informationen zum Thema "Schwanger und jetzt? sind kurze Auszüge aus der "Hebammen-Sprechstunde" von Ingeborg Stadelmann (S. 42/43, 57-60, 81, 90-93).

Einfühlsam, fachkundig und mit realistischem Blick begleitet Sie Ingeborg Stadelmann mit diesem Buch durch die Zeit von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Sie bestärkt Sie in Ihrer Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung und nimmt Sie in schwierigen Momenten behutsam an die Hand.

Die Kapitel in diesem Buch sind thematisch so angeordnet, wie Frauen ihre Mutterschaft von der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit erfahrungsgemäß erleben

So können Sie das Buch in den kommenden Wochen der Schwangerschaft Seite für Seite lesen, sich damit auf die Geburt ihres Babys vorbereiten und im Wochenbett und in der Stillzeit wieder Woche für Woche nachschauen, was kommen kann. Eigene Abschnitte für den werdenden Vater helfen auch ihm, bewusst und informiert Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu erleben.

Lesen Sie weiter:

Ingeborg Stadelmann
Die Hebammen-Sprechstunde


Ernährung Cover
Natalie Stadelmann
Ernährung in Schwangerschaft & Stillzeit


Fühl dich wohl
Bianca Joggerst
Fühl dich wohl – Meditationen für Schwangerschaft und Geburt


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